Flaggenführung

 

Im Ausland wird das Thema Flaggenführung z.T. sehr ernst genommen. Deshalb sollten sich Besatzungen Deutscher Yachten als Gäste in ausländischen Häfen den landesüblichen Gepflogenheiten anpassen. Besonders in dänischen Yachthäfen werden Flaggenführung und -parade - bei korrekter Durchführung - noch heute von einheimischen Skippern 'wohlwollend' zur Kenntnis genommen und als Zeichen guter Seemannschaft gewertet.

Sprung zu:
Nationalflagge Stander Signalflaggen Flaggengruß
Verbandsflagge Gast-Flagge Flaggengala Flaggenparade
sonstige Flaggen Trauer    

 

 

 

 

 

 

Jedes Schiff vertritt die Flagge unter der es fährt. Flaggen und Stander sind so zu führen, dass das Ansehen seines Landes, Verbandes oder Segelclubs nicht beschädigt wird.

Um eine Verwechselung mit Flaggensignalen zu vermeiden, sollten auf See grundsätzlich keine Flaggen unter der Saling gefahren werden.

  • Flaggen sollen eine der Yacht angemessene Größe und ein Seitenverhältnis von 6 : 10 aufweisen.
  • Flaggen und Stander müssen sich in einwandfreiem Zustand befinden.
  • Flaggen am Flaggenstock und unter der Saling müssen bis dicht an den Flaggenknopf bzw. bis dicht unter die Saling vorgeheißt sein.
  • Flaggenleinen dürfen keine Lose haben.
  • Außer den im Folgenden aufgeführten sollen keine weiteren Flaggen und/oder Stander gefahren werden.

Nationalflagge

Jede Segel- und Motoryacht führt auf Seeschiffahrtsstraßen, in Küstengewässern, auf See und im Ausland seine Nationalflagge. Das ist die Flagge des Landes, in dem die Yacht eingetragen ist.

Im Hafen, vor Anker und in Fahrt wird die Flagge am Flaggenstock möglichst in der Mitte des Hecks gesetzt. Der Flaggenstock soll ca. 40° nach achtern geneigt sein, damit die Flagge auch bei Windstille klarfällt und erkennbar ist. Am Flaggenstock darf nur die Nationalflagge gefahren werden. Unter Segel kann die Flagge auch an der Gaffel oder bei Hochtakelung am Achterliek des Großsegels an einer Flaggenleine gefahren werden.

Auf einem mehrmastigen Fahrzeug in Fahrt wird die Flagge im Topp des hinteren Mastes gefahren. Im Hafen oder vor Anker wird sie jedoch als Heckflagge gesetzt. Die Hafenflagge soll grundsätzlich größer sein als die Seeflagge. Die Nationalflagge darf nicht am Achterstag gefahren werden.

Eine Charteryacht führt grundsätzlich die Nationalflagge ihres Eigners. Lediglich in den Fällen, in denen der deutsche Charterer die Eigenschaft als Ausrüster im handelsrechtlichen Sinn erwirbt, kann ihm auf Antrag vom Bundesminister für Verkehr die Befugnis verliehen werden, für eine bestimmte Zeit die Bundesflagge zu führen. Für Sportboote ist diese Voraussetzung i.d.R. nur gegeben, wenn ein Chartervertrag für mindestens 12 Monate abgeschlossen ist.

Bei Charterbooten im Ausland dürfen Charterer mit deutscher Staatsangehörigkeit in Ausnahmefällen die Nationalflagge an Stelle der KA*- bzw. DSV-Flagge unter der Backbord-Saling fahren. Aber nur, wenn die politische Situation des Gastlandes es unproblematisch erscheinen lässt.

* KA = Kreuzer-Abteilung des DSV

- nach oben -

Stander

Jede Yacht muß den Stander des Vereins führen, bei dem sie eingetragen ist, auch wenn sie keine ständige Besatzung hat.

Der Stander wird im Großtopp, also am höchsten Punkt der Yacht, gefahren. Er weht von Ansegeln bis Absegeln, bei Tag und Nacht!
Kann ein Standerstock nicht gesetzt werden, kann der Stander an oberster Stelle unter der Backbord-Saling gefahren werden. Es darf nur ein Stander gesetzt werden.
Eine Yacht, die bei mehreren Vereinen eingetragen ist, führt im allgemeinen den Stander des Vereins, dem sich der Eigner hauptsächlich angehörig fühlt. Im eigenen Hafenbereich den heimischen Stander, in fremden Häfen den Stander des ältesten ortsansässigen Vereins, dem der Yachteigner angehört.

- nach oben -

Verbandsflagge

Die Verbandsflagge - z. B. die Flagge der Kreuzer-Abteilung des DSV oder die des DMYV - weht an Bord nur am Tage und nur in Verbindung mit der Nationalflagge. Sie wird im Hafen, vor Anker und beim Anlaufen eines Hafens unter der Steuerbord-Saling gesetzt, im Ausland unter der Backbord-Saling. Ein gültiger Mitgliedsausweis muß an Bord sein.

- nach oben -

Gast-Flagge

Bei Einfahrt in einen Hafen im Ausland, gehört es 'zum guten Ton' die Nationalflagge des Landes unter der Steuerbord-Saling zu setzen. Dabei wird nur diese Flagge gesetzt, keinesfalls die Flaggen zuvor besuchter Länder.

Von einer Auslandsfahrt heimkehrende Yachten können am Tage der Heimkehr im deutschen Hoheitsgebiet die Flaggen der besuchten Länder in der Reihenfolge des deutschen Alphabets und in gleicher Größe untereinander unter der Steuerbord-Saling zeigen. Beim jährlichen Absegeln kann das gleiche Procedere wiederholt werden.

- nach oben -

Signalflaggen

Signalflaggen dürfen nur nach den Vorschriften des 'Internationalen Signalbuch' verwendet werden und sind sofort wieder einzuholen, wenn der Signalaustausch beendet ist. Einzige Ausnahme ist die Flaggengala.
Die Größe der Signalflaggen ist so zu wählen, daß sie auch aus größerer Entfernung erkennbar sind.
Für weitere Informationen zu Signalflaggen und Flaggenalphabet HIER klicken.

- nach oben -

Flaggengruß

Der Flaggengruß ist noch bei vielen seefahrenden Nationen gebräuchlich. In Großbritannien und in den skandinavischen Ländern wird auf diese Tradition besonderen Wert gelegt.

Der Flaggengruß ist freiwillig, die Erwiderung eines Grußes ist Pflicht! Yachten können sich untereinander durch einmaliges 'Dippen' der Nationalflagge grüßen. Falls das wegen zu kurzem Flaggenstock nicht möglich sein sollte, kann durch Senken des Flaggenstocks mit der Flagge gegrüßt werden. Mittlerweile wird aber unter Yachten mit Handzeichen gegrüßt.

Dippen bedeutet: Die zuerst grüßende Yacht holt die Nationalflagge ca. ein Drittel nieder und heißt sie wieder vor, wenn die andere Yacht die Flagge niedergeholt hat.

Ein Kriegsschiff wird immer zuerst gegrüßt. Dabei wird die eigene Flagge erst dann wieder vorgeheißt, wenn das Kriegsschiff das bereits getan hat.

Beim Begegnen einer Flottille von Kriegsschiffen oder Yachten grüßt man nur das durch den Führungsstander gekennzeichnete Schiff.

- nach oben -

Flaggengala

Bei festlichen Anlässen flaggen die Yachten im Hafen und vor Anker über die Toppen. Für die Flaggengala werden ausschließlich Signalflaggen verwendet. Sie werden vom Vorschiff über die Toppen bis zum Achterschiff gesetzt. Dabei ist die Reihenfolge vorgegeben: erst zwei Flaggen, anschließend ein Stander oder Wimpel, dann wieder zwei Flaggen, dann ein Stander oder Wimpel usw.

Eine andere Reihenfolge-Regel der Beflaggung vom Vorschiff nach Achtern besagt:
A, B, C, 1, D, E, F, 2, G, H, I, 3, J, K, L, 4, M, N, O, 5, P, Q, R, 6, S, T, U, 7, V, W, X, 8, Y, Z, 9, Null.

Findet die Flaggengala im Heimatland statt, befindet sich die Nationalflagge an der höchsten Stelle der Yacht. Bei Flaggengala im Ausland befindet sich die Nationalflagge des Gastlandes an der höchsten Stelle der Yacht, die eigene Nationalflagge am Heck.

- nach oben -

Flaggenparade

Das Zeremoniell der Flaggenparade ist nach wie vor internationales Brauchtum.
Als Flaggenzeit versteht man die Zeit, während der alle Flaggen wehen:
Vom 1. Mai bis 30. September von 8.00 Uhr, in den übrigen Monaten von 9.00 Uhr jeweils bis Sonnenuntergang - spätestens jedoch bis 21.00 Uhr.
Die Zeiten des Vorheißens und Niederholens geben ein im Hafen oder vor Anker liegendes Kriegsschiff die größte Yacht oder der Flaggenmast des ortsansässigen Vereins vor. Jede deutsche Yacht ist verpflichtet, in einem fremden Hafen sich den Gepflogenheiten des Gastgebers anzupassen. Wird allgemein eine Flaggenparade durchgeführt, hat die Besatzung sich daran zu beteiligen.

Die Flaggenparade soll möglichst gleichzeitig mit den anderen Schiffen und Yachten durchgeführt werden und betrifft alle Flaggen, mit Ausnahme des Clubstanders. Eine Yacht, die im fremden Hafen voraussichtlich zur Zeit der abendlichen Flaggenparade keine Besatzung an Bord hat, holt vorher die Flaggen ein.

Versäumnisse bei der Flaggenparade gelten als Mißachtung der im Yachthafen wehenden Nationalflagge!
Das Wehenlassen der Flaggen über Nacht im Hafen gilt als Zeichen grober Nachlässigkeit und schlechter Seemannschaft. Auf See kann die Nationalflagge nachts oder bei schlechtem Wetter niedergeholt werden, jedoch nicht in Grenzgewässern und nicht bei der Annäherung von Kriegsschiffen oder Behördenfahrzeugen.

Wird in einem Yachthafen der Flaggenmast eines Vereins beflaggt, erfolgt das Vorheißen und Niederholen der Flaggen möglichst gleichzeitig innerhalb der Flaggenzeit. Dabei soll die eigene Nationalflagge als erste vor geheißt werden, danach folgen die des Gastlandes- und andere Flaggen. In umgekehrter Reihenfolge werden die Flaggen niedergeholt, d.h. erst Gastland-, dann eigene Nationalflagge.

- nach oben -

Trauer

Als Zeichen von Trauer wird die Nationalflagge halbstocks gesetzt. Falls das nicht möglich sein sollte, ist ein Trauerflor über der gesetzten Flagge üblich.

Im allgemeinen wird nur im Hafen oder vor Anker Trauer gezeigt - in Fahrt nur dann, wenn sich ein Toter an Bord befindet. Die durch Flaggen signalisierte Trauer dauert bis zur Beendigung der Beisetzungszeremonie.

- nach oben -

Sonstige Flaggen

Die behördlichen Vorschriften für das Führen von Flaggen und Standern sind zu beachten. International ist das Führen einer Eignerflagge auf Yachten nicht mehr üblich.

- nach oben -

 

Alle Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Änderungen und/oder Ergänzungen bitte per Kontaktformular übersenden.

 

 

 

Zusätzliche Informationen