Schiffsradar Ostsee: Schiffe live verfolgen

Wer an der Ostsee am Strand steht und einen Frachter am Horizont sieht, will meistens dasselbe wissen: Was ist das für ein Schiff, wo kommt es her und wo will es hin. Genau das beantwortet ein Schiffsradar.

Unten findest du die Live-Karte für die Ostsee. Darunter steht, wie das System dahinter funktioniert, welche Schiffe du siehst und welche systematisch fehlen.

Die Karte lädt aus Datenschutzgründen erst nach deinem Klick. Vorher wird keine Verbindung zu VesselFinder aufgebaut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schiffsradar-Karten zeigen AIS-Daten, also Positionsmeldungen, die Schiffe selbst per Funk aussenden.
  • Ausgerüstet sein müssen laut SOLAS Schiffe ab 300 BRZ in internationaler Fahrt, Frachtschiffe ab 500 BRZ national und alle Passagierschiffe.
  • Übertragen werden unter anderem Identität, Position, Kurs, Geschwindigkeit und Fahrzustand.
  • Sportboote und Fischereifahrzeuge unterliegen keiner Ausrüstungspflicht und fehlen deshalb oft.
  • Die Karte auf dieser Seite lädt erst nach Klick, vorher fließen keine Daten.

Was du auf der Karte siehst

Jedes Symbol steht für ein Schiff, das gerade eine AIS-Position sendet. Farbe und Form geben Auskunft über den Schiffstyp, ein Klick öffnet die Details mit Name, Ziel und Geschwindigkeit.

An der deutschen Ostseeküste siehst du typischerweise vier Gruppen. Die Fähren auf den festen Linien nach Skandinavien, Frachtschiffe auf dem Weg in die Ostseehäfen, im Sommer Kreuzfahrtschiffe vor Warnemünde und Kiel, dazu Schlepper, Lotsenboote und Behördenfahrzeuge im Hafenbereich.

Wie AIS funktioniert

AIS steht für Automatic Identification System. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie beschreibt es als „ein selbstorganisiertes UKW-Datenfunksystem, das die Sicherheit der Schifffahrt im See- und Binnenbereich erhöht“.

Die Schiffe senden dabei nicht an eine Zentrale, sondern an alle in Reichweite. Wörtlich heißt es beim BSH: „Alle mit AIS ausgerüsteten Schiffe tauschen automatisch und kontinuierlich Informationen über das Schiff und seine aktuellen Fahrdaten untereinander aus: Identität des Schiffs, seine exakte Position, Kurs und Geschwindigkeit, seine Vorausrichtung und Drehrate, Fahrzustand (vor Anker, behindert, etc.).“

Landstationen und Satelliten fangen diese Funksprüche mit auf und speisen sie in Portale wie VesselFinder ein. Was du auf der Karte siehst, ist also kein Radarbild, sondern die gesammelte Selbstauskunft der Schiffe.

Wer AIS senden muss

Die Pflicht ergibt sich aus dem SOLAS-Übereinkommen, Kapitel V. Das BSH fasst sie so zusammen:

  • Schiffe ab 300 BRZ in internationaler Fahrt
  • Frachtschiffe ab 500 BRZ in nationaler Fahrt
  • alle Passagierschiffe

Unterschieden wird außerdem zwischen AIS Class A für die ausrüstungspflichtige Berufsschifffahrt und AIS Class B, das kleinere Fahrzeuge freiwillig nutzen können.

Welche Schiffe du nicht siehst

Das ist der Punkt, an dem die meisten Karten missverstanden werden. Ein leerer Kartenausschnitt bedeutet nicht, dass dort nichts fährt.

  • Sportboote und Yachten. Für die Sportschifffahrt besteht keine Ausrüstungspflicht. Viele Segler nutzen freiwillig Class B, viele aber auch nicht.
  • Fischereifahrzeuge. Ebenfalls ohne generelle Pflicht, kleinere Kutter tauchen deshalb häufig nicht auf.
  • Kriegsschiffe. Von den SOLAS-Regelungen ausgenommen. Marineeinheiten senden je nach Lage gar nicht oder ohne Kennung.
  • Schiffe außerhalb der Empfangsreichweite. Wo keine Landstation steht und keine Satellitenabdeckung greift, entstehen Lücken. In der dicht befahrenen Ostsee ist das selten ein Thema.

Was an der deutschen Ostseeküste unterwegs ist

Wenn du die Karte auf einen bestimmten Abschnitt zoomst, wird schnell erkennbar, wie stark die Verkehrsströme gebündelt sind.

  • Kieler Förde. Fährverkehr nach Skandinavien, dazu im Sommer Kreuzfahrtanläufe und der Zulauf zum Nord-Ostsee-Kanal.
  • Lübeck-Travemünde. Einer der größten Fährhäfen der Ostsee, entsprechend dichter Frachtverkehr.
  • Rostock-Warnemünde. Fähren, Überseehafen und in der Saison Kreuzfahrtschiffe an der Mittelmole.
  • Fehmarnbelt bei Puttgarden. Die kurze Querung nach Rødby mit hoher Taktung.
  • Sassnitz und Rügen. Verbindungen Richtung Bornholm und Baltikum.

Welche Häfen dahinterstecken und was sie ausmacht, steht in der Übersicht der Ostsee-Häfen sowie im Beitrag zu den schönsten Ostseehäfen. Wer wissen will, wann die großen Pötte kommen, findet die Startpunkte in der Übersicht zu Kreuzfahrten ab deutschen Ostseehäfen.

Radar für einzelne Häfen und Schiffe

Diese Übersicht deckt die gesamte Ostsee ab. Für einzelne Reviere gibt es eigene Karten mit passendem Ausschnitt, dazu die Liegeplätze, Linien und Anlauflisten des jeweiligen Hafens.

Wer ein bestimmtes Schiff sucht statt eines Reviers, kommt über diese beiden Seiten schneller ans Ziel.

Praktische Tipps zur Nutzung

  1. Namen einblenden. Die Karte zeigt Schiffsnamen an, das erleichtert die Zuordnung zu dem, was du am Horizont siehst.
  2. Auf den Hafen zoomen. Im Hafenbereich siehst du auch Schlepper und Festmacherboote, was oft interessanter ist als die freie See.
  3. Zeitversatz einkalkulieren. Positionen werden in Intervallen gesendet und weitergeleitet, eine Anzeige kann also um Minuten hinterherhinken.
  4. Nicht zur Navigation nutzen. Solche Karten sind Informationsangebote, keine nautischen Hilfsmittel. An Bord gelten Seekarte, Radar und Ausguck.

Kein Ersatz für die Seekarte

Schiffsradar-Portale sind zur Information gedacht. Die Daten können unvollständig, verzögert oder fehlerhaft sein, und längst nicht jedes Fahrzeug sendet AIS. Für die Navigation an Bord sind amtliche Seekarten, Radar und der Ausguck maßgeblich.

Häufige Fragen

Was ist ein Schiffsradar?

Umgangssprachlich sind damit Online-Karten gemeint, die Schiffspositionen anzeigen. Technisch handelt es sich nicht um Radar, sondern um die Auswertung von AIS-Funkmeldungen, die die Schiffe selbst aussenden.

Ist die Anzeige in Echtzeit?

Nahezu, aber nicht exakt. Positionen werden in Intervallen gesendet und über Landstationen oder Satelliten weitergeleitet, wodurch ein Versatz von Minuten entstehen kann.

Warum sehe ich manche Schiffe nicht?

Weil nicht alle Fahrzeuge AIS senden müssen. Sportboote, Fischereifahrzeuge und Kriegsschiffe unterliegen der Pflicht nicht oder sind ausdrücklich ausgenommen.

Welche Daten sendet ein Schiff per AIS?

Laut BSH unter anderem die Identität des Schiffs, seine exakte Position, Kurs und Geschwindigkeit, die Vorausrichtung und Drehrate sowie den Fahrzustand, etwa ob es vor Anker liegt.

Ist die Nutzung kostenlos?

Ja, die eingebundene Karte von VesselFinder ist kostenfrei nutzbar. Sie lädt auf dieser Seite erst, wenn du aktiv zustimmst.

Kann ich ein bestimmtes Schiff suchen?

Innerhalb der Karte kannst du einzelne Fahrzeuge anklicken und Details einsehen. Für eine gezielte Suche nach Name, MMSI oder IMO-Nummer bietet sich die Suchfunktion direkt bei VesselFinder an.

Datenschutz

Die Live-Karte auf dieser Seite wird von VesselFinder bereitgestellt. Sie wird bewusst nicht automatisch geladen. Erst wenn du auf „Karte jetzt laden“ klickst, wird eine Verbindung zu den Servern von VesselFinder aufgebaut. Dabei werden Daten übertragen, darunter deine IP-Adresse. VesselFinder bindet in der Karte zusätzlich Google Analytics ein, sodass auch dorthin Daten fließen. Klickst du nicht, entsteht keinerlei Verbindung. Weitere Angaben findest du in unserer Datenschutzerklärung.

Quellen